Dresden. Anlässlich der im Dresdner Stadtrat anstehenden Abstimmung zur Finanzierung des Baus eines neuen Orang-Utan-Hauses formulieren die Aktiven von tierbefreiung dresden eine Stellungnahme. In dieser erklären sie sich mit den fünf betroffenen Primaten und allen anderen in Zoogefangenschaft gehaltenen Tieren solidarisch und stellen Forderungen an Politik, Zoo und Öffentlichkeit.

Das mit einer Investitionssumme von bis zu 17 Millionen Euro beaufschlagte Bauprojekt zeigt schon bei rein sachlicher Betrachtung der Baupläne, dass dieses die Mindestanforderungen des Säugetiergutachtens nicht erfüllt. Doch selbst wenn die Mindestvorgaben erfüllt würden, bliebe das eigentliche Grundproblem bestehen: Individuen mit persönlichen Bedürfnissen, in diesem Fall die fünf Orang-Utans, werden weiterhin eingesperrt und entgegen ihrer eigenen Interessen gefangen gehalten. So werden sie niemals ihren natürlichen Lebensweisen, Fähig- und Fertigkeiten nachkommen können. In Gefangenschaft werden sie sich weder unbegrenzt frei bewegen können, noch können sie uneingeschränkt ihrem natürlichen Sozialverhalten nachgehen.

„Neugebaute Menschenaffenanlagen in deutschen Zoos kosten erfahrungsgemäß immer 50-80% mehr als ursprünglich veranschlagt. Für Dresden wäre insofern mit wenigstens 25 Millionen Euro zu rechnen. Die Aussicht auf höhere Besucher:innenzahlen und damit irgendwann eine Amortisierung der Anlage ist völlig unrealistisch. Besucher:innenzahlen in deutschen Zoos nehmen seit Jahren kontinuierlich ab, dem wirken auch keine noch so innovativen Gehegeanlagen entgegen.“ äußerten sich Aktivist:innen zu den veröffentlichten Bauplänen.

Beispielhaft für ein grundlegendes Problem des bestehenden Mensch-Tier-Verhältnisses, dienen die Orang-Utans des Dresdner Zoos menschlichen Verfügungszwecken. Die Zoo Dresden GmbH verfolgt, wie auch andere gewinnorientierte Unternehmen, ökonomische Interessen mit dem Ziel der Profitmaximierung. Individuen werden einem Publikum präsentiert, um als angebliche Botschafter:innen einer bedrohten Tierart dem Deckmantel des Artenschutzes gerecht zu werden. Der vermeintliche Bildungsauftrag, welchen der Zoo vorgibt zu leisten, ist absurd angesichts der Zurschaustellung von nichtmenschlichen Tieren in künstlicher Umgebung. Zeitgleich werden immer mehr natürliche Lebensräume unwiederbringlich zerstört und ökonomisch ausgebeutet.

Die Aktivist:innen der Gruppe tierbefreiung dresden solidarisieren sich mit Djaka, Djudi, Toni, Daisy und Dalai und allen anderen in Zoos eingesperrten und ausgebeuteten Individuen.

Deshalb fordern sie u.a. eine breite öffentliche Debatte über den Dresdner Zoo, die Umsiedlung der Orang-Utans an einen für sie sicheren und lebenswerteren Ort, in dem sie möglichst selbstbestimmt leben dürfen – beispielsweise in einem der anerkannten Primatenschutzzentren – sowie die Transformation der Institution Zoo in eine multimediale Projektionslandschaft.

Die vollständige Stellungnahme mit allen Forderungen kann hier nachgelesen werden.

Gruppeninformation: tierbefreiung dresden ist eine Ortsgruppe des bundesweit agierenden Vereins die tierbefreier e.V. Wir setzen uns seit mehr als 16 Jahren für eine Veränderung des bestehenden gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnisses ein und fordern einen vollständigen Stopp der Tierausbeutung und Tiernutzung.

Kontaktmöglichkeit: tierbefreiung_dd@riseup.