Pressemitteilung

Werbeveranstaltung von Circus Voyage soll städtisches Verbot von Tieren in Zirkussen verhindern

Am Samstag dem 8. April lud Circus Voyage ein, um seine Sicht der Dinge auf die Tiernutzung in Unterhaltungsshows darzustellen. Eine exklusive Veranstaltung sollte vermitteln, was nicht existiert: Tiere, die sich frei bewegen könnten und nicht auf zu kleinem Raum eingesperrt wären. Ob darin auch eine gewaltfreie Dressur vorkam oder das Märchen der Freiwilligkeit, die den Handlungen der Tiere zugrunde liegen würde, lässt sich nur spekulieren. Denn öffentlich zugänglich für alle war diese Veranstaltung nicht. Neben Journalist*innen waren Minister- und Landespräsidenten, Oberbürgermeister sowie Stadtrats- und Landtagsfraktionen, also nur einflussreiche Personen geladen. Schließlich geht es um die Verhinderung eines städtischen Auftrittsverbotes von Zirkussen mit Tieren.

Äußerungen von Zirkussprechern, die die nicht ansatzweise artgerechte Haltung und Behandlung der Tiere rechtfertigen, zeugen immer wieder von Behauptungen, die als Lügen erkennbar sind. So beispielsweise die von Zirkus-Sprecher Sascha Grodotzki, nach dem es keine wissenschaftliche Belege für Tierleid gäbe oder Zirkusse stärker als andere Tierhaltungsbetriebe kontrolliert würden, wie er Ende März im Wochenkurier mitteilen ließ. Tatsächlich gibt es entgegen dieser Darstellung in Deutschland keine juristisch verbindliche Verordnung, welche die Haltung und Unterbringung von Tieren in Zirkussen regelt. Sie orientieren sich an den sogenannten Zirkus-Leitlinien, die völlig unzureichend sind und nur empfehlenden Charakter haben. Zirkusleute selbst haben an den Formulierungen dieser Leitlinien mitgewirkt. Kontrollen sind ebenso kaum vorhanden.
Zudem braucht niemand einen „wissenschaftlichen“ Beleg dafür, dass Elefanten im Zirkus leiden müssen, wenn sie dort nur wenige Quadratmeter Bewegungsfläche haben. Im Vergleich dazu durchstreifen Elefanten Reviere von hunderten Quadratkilometern in ihrem natürlichen Lebensraum. Wildtiere würden ohne Zwang ohnehin nie tun, was Menschen verlangen.

Die vermeintliche Freiwilligkeit ist eine Illusion, denn Dressur ist psychische und physische Gewalt. Voraussetzung hierfür ist es, den Willen der Tiere zu brechen. Die Abrichtung erfolgt durch die Kombination aus Strafe und Belohnung, nicht zuletzt sind Hunger und Angst Hilfsmittel bei der Dressur. Auch domestizierte „Haustiere“ wie Hunde, Katzen, Ziegen oder Pferde machen Kunststücke nicht freiwillig. Auch ihr Verhalten wird kontrolliert, einstudiert und trainiert. Sie sind abhängig von den Reaktionen und der Willkür ihrer Besitzer_innen, die permanent über sie bestimmen. Fast allen Tieren fehlt es an Platz, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, artgerechter Ernährung und der Möglichkeit zum Ausleben natürlicher Verhaltensweisen untereinander. Mitunter werden ansonsten sehr soziale Tiere dauerhaft alleine und ohne Gesellschaft gehalten. Auch vor und nach den Auftritten sind sie den Dressurmethoden und einem für sie meist unnatürlichem Klima ausgesetzt. Krankheiten, Todesfälle, Wachstums- und Verhaltensstörungen wie Apathie oder Selbstverstümmelungen begleiten den Alltag im Zirkusgeschäft. Häufig auftretende Bewegungsstereotypen sind das als Weben bezeichnete Auf- und Abschwingen oder Drehen des Kopfes, Wippen, Hin- und Herlaufen und Kreisgänge.

Der Streit um Tierquälerei und das Verbot von Tierzirkussen

Die derart unterschiedlichen Behauptungen über Tiere und ihre Verfassung sind möglich, da sie sich nicht in einer für Menschen verständlichen Sprache mitteilen können. „Wenn man mal wirklich versucht wahrzunehmen, wie die Tiere bei Dressuren oder Vorführungen in der Manege wirken, kann man vielleicht besser wahrnehmen, dass sie die Kunststücke nicht freiwillig ausführen. Man kann sehen, dass es ohne Zwang und Demütigung nicht funktioniert. Die Propaganda von Zirkusleuten entlarvt sich durch Mitgefühl und ein wenig Wissen“, meint Enrico Schneider von der Gruppe tierbefreiung dresden.

Da lange bekannt ist, dass Zirkusse als fahrende Unternehmen die grundsätzlichen Bedürfnisse von Tieren missachten und auch Dressuren ohne Zwang nicht möglich sind, haben bereits über 70 Städte in Deutschland Auftritte von Zirkussen mit Tieren auf städtischen Plätzen verboten oder eingeschränkt. Auch die Stadt Dresden ist aufgefordert, endlich gegen diese unsäglichen „Lebens“bedingungen von Tieren vorzugehen. Denn Dressur und Vorführung ist ohne systematische Misshandlung der Tiere unmöglich!

Zirkusse versuchen verständlicherweise ihre Handlungen und Geschäftsbedingungen zu rechtfertigen, weil ihr Einkommen und Fortbestehen davon abhängt. Aber selbst wenn es so eine spezialisierte Tätigkeit wie der eines Dompteurs oder von Tierdressuren bald nicht mehr möglich wäre, es gibt zahlreiche Alternativen, wie viele Zirkusse ohne Tiere zeigen.

Und welches Argument hält der Notwendigkeit stand, sich einer gesellschaftlichen Entwicklung zu stellen, die Leid, Missbrauch, Quälerei, bereits allein die Gefangenschaft von Tieren, einschränken will? Tiere können sich gegen ihre Gefangenschaft, gegen den Einsatz der Werkzeuge bei der Dressur oder dem Futterentzug nicht wehren. Sie endlich aus diesem Alptraum zu entlassen, ist dringend notwendig, auch wenn einige Menschen ihrer bisherigen Tätigkeit so nicht mehr nachgehen können! Jeder Mensch kann umlernen und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten finden. Ausbeutung und Tiernutzung gegen deren Willen mit Geboten von Berufsfreiheit zu rechtfertigen, missachtet die grundlegendsten Bedürfnissen der Tiere, nicht eingesperrt, benutzt, vorgeführt, ausgestellt und gequält zu werden!


Die Fotos stammen von der Kundgebung am 31. März 2017 vor dem Circus Voyage

[Kontakt]

Gruppeninformation: tierbefreiung dresden ist eine Ortsgruppe des bundesweit agierenden Vereins die tierbefreier e.V.. Wir setzen uns für den vollständigen Stopp von Tierausbeutung und Tiernutzung ein. Die Gefangenschaft von Tieren ist niemals artgerecht. Für uns macht es keinen Unterschied, ob die Haltungsbedingungen in manchen Zirkussen besser oder schlechter sind. Die Tiere werden immer gefangen gehalten und sind der Willkür des Menschen ausgeliefert. Die Dressur von Zirkustieren funktioniert über Macht oder sogar physische Gewalt. Wir wollen keine besseren Haltungsbedingungen, sondern keinerlei Nutzung und Ausbeutung von Tieren.