Jedes Jahr von Mai, jedoch spätestens von Juli bis September, läuft die Wettflug-Saison im Brieftaubensport.

Genau dies ist die Zeit, in welcher man dann vermehrt völlig erschöpfte, abgemagerte und vor allem dehydrierte Tauben findet, denn oft schaffen sie den Weg, im schlimmsten Fall von 1000 km, nicht. Dies wird von den Züchter*innen einkalkuliert und als Selektion betrachtet, da in diesem “Sport” sowieso nur die schnellsten und leistungsfähigsten Tauben für die Züchter*innen profitabel sind.

In Betrieben oder auf diversen Foren, welche Tiere für die eigenen Zwecke ausbeuten, heißt es auch immer etwas von “Tierwohl”, “Gegen Tierquälerei” oder “Artgerecht”. Ganz abgesehen davon, dass diese Statements spätestens auf ihrem Teller aufhören, ist dabei noch etwas sehr Interessantes zu beobachten. Denn diese Themen werden nur solange behandelt, wie es im Rahmen ihrer Ausbeutungspraxis passt. Tiere, die nicht mehr ihren Zweck erfüllen oder nicht mehr genügend Profit abwerfen, werden schnell nicht mehr versorgt oder gepflegt.

Dieses Leid, was die Tiere dabei ertragen müssen, ist nur ein Symptom systematischer Ausbeutung. Diese passiert auf vielen Ebenen und fußt im Kapitalismus. Tiere sind nicht länger Individuen, sondern Ware, die eine Leistung erbringen müssen, um etwas Wert zu sein. Ihre komplette Existenz ist begründet in ihrem Zweck für uns Menschen. Dass sie eigenständige Individuen mit eigenen Bedürfnissen sind, wird völlig außer Acht gelassen. Stattdessen wird propagiert, das sei doch alles nur ihrem Willen entsprechend und ihnen ginge es doch so gut dabei – was für eine Dreistigkeit als Mensch, darüber zu urteilen, als Verursacher*in der Ausbeutung.

Was nehmt ihr Tieren, wenn ihr sie nicht mehr für eure Hobbys benutzt? Kann die Brieftaube nicht mehr ihr Leben leben, ohne von Ort A nach Ort B gescheucht zu werden? Kann das Pferd nicht mehr glücklich und gesund sein, wenn du es nicht mehr reitest? Natürlich nicht. Es gibt genügend Wege, sich um diese Tiere zu kümmern und ihnen ein gutes Leben bereitzustellen, ohne sie für eure Unterhaltung auszubeuten.

Wir als Gruppe sehen weder Tierausbeutung, noch Kapitalismus als alleinstehende Zustände, sondern als miteinander verwoben. Solange wir in einem profitorientierten System leben, wird es keine ausbeutungsfreie Welt für alle Tiere geben. In einer Welt, in der Tiere ausgebeutet werden, wird es Menschen viel leichter fallen, einander zu unterdrücken und zu bekämpfen.

Doch in einer Welt, in der wir für noch so kleine und für uns unbedeutende Tiere Respekt zeigen, würde es Menschen sehr viel schwerer fallen, andere Menschen zu “entmenschlichen”. Es würde aus unserer Sicht dazu führen, dass Menschen allen Lebewesen und ihren Bedürfnissen mehr Respekt erweisen und Empathie über die eigene Spezies hinaus zeigen.

Wir sind froh, dass sich hier so viele Menschen versammelt haben. Gleichzeitig hoffen wir, dass diese Energie dafür genutzt wird, um nicht nur kleine Verbesserungen innerhalb eines kaputten Systems zu erkämpfen, sondern das System als Ganzes zu hinterfragen. Denn nur in einer Welt ohne Hierarchien und Kapitalismus können sowohl wir, als auch die Tiere wirklich selbstbestimmt leben.

Gegen jede Ausbeutung und für eine Welt ohne Unterdrückung!